BAD STAFFELSTEIN

Die 16 Heiligen der Adelgundiskapelle

Organist Georg Hagel.

Der Staffelberg ist Kult bei Einheimischen wie Touristen. Und so mancher, der den Weg hochgekraxelt ist, lässt in der Adelgundiskapelle die Seele durchatmen. Im Rahmen einer Veranstaltung der CHW-Ortsgruppe Bad Staffelstein erfuhr das Kirchlein am Mittwochabend eine kleine Sternstunde. Bei einer Kirchenführung von Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold mit Orgelklängen von keinem Ge-ringeren als Georg Hagel, platzte das kleine Gotteshaus angesichts einer überwältigenden Besucherresonanz aus allen Nähten.

„Das ist ja wie bei der Weihnachtsmette“, freute sich der Historiker lachend über den großen Zuspruch. Die 150, vielleicht sogar 200 Gäste wurden belohnt mit einem von Fachkenntnis geprägten und gleichermaßen kurzweiligen Vortrag Dippold zur langen Historie der Adelgundiskapelle.

Der Referent ging ein auf die nicht belegbaren Spekulationen, wonach es dort oben schon im neunten Jahrhundert eine Kirche gab und erzählte von der ersten urkundlichen Erwähnung 1419, um schließlich – das Kirchlein fiel dem Bauernkrieg 1525 zum Opfer – die Wiederrichtung als Grundlage des heutigen Gotteshauses zu beleuchten. Mitte des 17. Jahrhunderts, ließ Dippold wissen, traten die Gemeinden Romansthal, Horsdorf und Loffeld „nach genugsamb gehaltner Conferenz“ an den damaligen Staffelsteiner Pfarrer heran mit dem Wunsch, wieder eine Kirche zu errichten. Nachdem der Bau genehmigt wurde, wirkten, so belegen Aufzeichnungen, sogar Gläubige aus benachbarten Pfarreien mit, halfen beim Steinbrechen, Sandgraben und beim schweißtreibenden Hochtragen des Wassers von der Stadt hinauf zum Staffelberg. „Da kann man wirklich nur den Hut ziehen, was damals bei der Verwirklichung des Baus geleistet wurde“, zollte Dippold Respekt. Am 8. Juli 1654 schließlich konkretisierte Weihbischof Söllner die Filialkirche Sankt Adelgundis.

Wallfahrtsort als Ziel

Im Zusammenhang mit der Historie des Gotteshauses erwähnte der Bezirksheimatpfleger den damaligen Staffelsteiner Pfarrer Jakob Winckelmann. Dieser organisierte den Bau – kümmerte sich um die Ausstattung – und hatte es sich ganz offensichtlich zum Ziel gesetzt, den Staffelberg zum Wallfahrtsort zu machen. Der Geistliche dokumentierte Wunder, die auf der Fürbitte der Heiligen Adelgundis geschehen sein sollen und erwirkte bei der Kirchenführung einen Sündenerlass – sogenannter „Ablass“ - für all jene, die als Wallfahrer auf den Staffelberg kommen.

Für schmunzelnde Gesichter bei den Zuhörern sorgte Dippold, als vom eindeutig spektakulärsten Versuch Winckelmanns, die Attraktivität der Adelgundiskapelle zu steigern, erzählte: Der Pfarrer ließ damals an die Empore die Bilder von 16 Heiligen malen, wollte offenbar damit Vierzehnheiligen übertrumpfen. Dementsprechend empört reagierte seinerzeit der für die Wallfahrtseelsorge in Vierzehnheiligen zuständige Abt Mauritius Knauer. Dessen Aufforderung, die Bilder wieder abzunehmen, folgten die Geistlichen Räte indes nicht. Man könne, so deren Auffassung „nit befinden, warumben sich iemand ob solchen Gemähl etwas zu schweren haben.“ So blieben die Heiligenbilder bis heute erhalten. Davon abgesehen seien die 16 nur willkürlich „zusammengesuchte“ und keine bekannten Heiligen wie die 14 in Vierzehnheiligen, ergänzte Dippold, damit die Zuhörer das Ganze richtig einschätzen konnten.

In der Karfreitagsliturgie nahm die Kapelle allerdings schon früh eine wichtige Rolle ein. Nach der Erweiterung des Gotteshauses Richtung Westen baute der damalige Staffelberg-Eremit Jakob Hess das Heilige Grab, durch das der Staffelberg rund um den Karfreitag vollends zum Hauptanziehungspunkt wurde. Im 18. Jahrhundert bestiegen am Abend des Gründonnerstags zeitweise über 6000 Menschen den Berg

Abschließend ging der Referent auf die Ausstattung in der Kirche ein, von den Legendentafeln von Carl Meier über die Stuckarbeiten eines Heinrich Seelmann bis zu den 1967 wieder freigelegten Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert. Die letzte Sanierung erfolgte zum 350-jährigen Weihejubiläum 2004.

Im Anschluss an diese interessante Zeitreise wurde es musikalisch. „Es ist ein Glück, dass sich ein Ausnahmeorganist seines Ranges nicht in die große weite Welt hinaus begibt, sondern der Heimat die Treue hält“, begrüßte Dippold mit lobenden Worten Georg Hagel. Dieser bedankte sich für die schmeichelnden Worte und wurde den Vorschusslorbeeren gerecht durch die Darbietung verschiedener Orgelstücke. Geradezu festlich zumute wurde es den Zuhörern, als Hagel die „Toggenburger Orgeltänze“ musikalisch am Instrument umsetzte.

Für Georg Hagel ist die Orgel in der Adelgundiskapelle nicht irgendeine. Er selbst hat an deren Geschichte mitgeschrieben. „Die Orgel war damals in einem grauenvollen Zustand“ erinnerte er zwischen den Stücken an die Zeit vor 2003, als er schließlich das Instrument zusammen mit seiner Ehefrau Eva, die Orgelbauerin ist und die er auf dem Staffelberg kennenlernte, in den Originalzustand zurückversetzte. Erbaut wurde diese 1866 von Augustin Bittner.

Fränkische Dorforgelkultur

Das Instrument sei ein „schönes Beispiel typisch fränkischer Dorforgelkultur“, betonte Hagel, wie gerne er in der Adelgundiskapelle spiele. Er brachte den Besuchern auch zu Gehör, wie die einzelnen Klangkörper der Orgel klingen und demonstrierte dem amüsierten Publikum, wie grauenvoll es sich angehört haben muss, wenn in früheren Zeiten die damals noch notwendigen Bälgetreter ins Wirtshaus wollten und ihren Dienst lustlos versagten.

Musikalisch hervorragend abgerundet wurde der Abend durch Darbietungen des Coburger Gesangsensembles „Cantico“, deren Stimmen mit „Da Pacekm Domine“ - für Nichtlateiner: Appell an den Frieden – und „In Gottes Namen“ den Kirchenraum erfüllten. Der offizielle Teil des gelungenen, vom CHW bestens organisierten Abends auf dem Staffelberg klang stimmungsvoll aus mit dem – selbstverständlich von Orgelklängen begleiteten – gemeinsam gesungenen Frankenlied.

Bevor sich viele in der Staffelberg-Klause noch einmal vor dem Rückweg stärkten, nutzten viele Besucher die Gelegenheit, die Kirche zu besichtigen. Auf der Empore beantwortete Georg Hagel den zahlreichen Interessierten gerne Fragen zur Orgel, mahnte zuvor mit einem Augenzwinkern: „Aber Achtung an der Treppe beim Hochsteigen – die alten Stufen entsprechen noch nicht ganz der europäischen DIN-Norm.“

Zeitreise: Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold erzählte viel Interessantes zur Historie der Adelgundiskapelle. Foto: Mario Deller