BAD STAFFELSTEIN

„Dies könnte deine Parzelle sein“

„Dies könnte deine Parzelle sein!“: Die jungen Fußballerinnen und Fußballer wünschen sich einen Trainingsplatz ohne Löch... Foto: Birgid Röder

„Wir wollen ordentliche, hochwertige Sportstätten vorweisen, um den Kindern auch in Zukunft eine interessante Alternative zu Handy und Computer zu bieten“, sagt Bernd Potzel, seit 20 Jahren Abteilungsleiter beim TSV 1860 Staffelstein. Darum startet die Fußballabteilung eine große Mitmach-Aktion: Jeder, der in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen in Bad Staffelstein einen Beitrag leisten möchte, kann symbolisch eine einen Quadratmeter große Parzelle des Geländes erwerben zum Preis von 50 Euro. Damit will der Verein die Grundlage schaffen für die dringend notwendige Sanierung des Spiel- und Trainingsgeländes an der Oberauer Straße.

Die Außenanlagen und die Spielfelder dort sind nicht mehr zeitgemäß. Mitte der 1970-er Jahre musste der Fußballplatz umziehen wegen des Baus der Adam-Riese-Halle. Seitdem findet Trainingsbetrieb hier statt. Die Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen: Der schlechte Zustand der Spielflächen birgt Verletzungsgefahren durch Löcher und Unebenheiten. Sicherheitszäune zu den Straßen fehlen. Die gesamte Außenanlage muss überholt werden.

Durch den Kraftakt „Neubau des Vereinsheims“ mit endlich auch hervorragenden sanitären Anlagen hat der TSV im vergangenen Jahr trotz sehr viel Eigenleistung und Unterstützung durch Sponsoren seine wirtschaftlichen Grenzen erreicht. Dieser Einsatz hat sich zwar gelohnt: Alle Altersgruppen treffen sich im Vereinsheim zu Spielersitzungen oder nach dem Training, zum Kickern, Dart spielen oder gemeinsam Fußball schauen. „Das fördert die Kameradschaft. Aber ein funktionierender Spielbetrieb ist genauso wichtig“, wirbt Potzel um Unterstützung für das neue Projekt.

„Wir sind uns im Klaren, das können wir nur mit Idealismus und Mithilfe aus der Bevölkerung auf die

Beine stellen.“

Bernd Potzel,

Abteilungsleiter des TSV

Die Verantwortlichen der Fußballabteilung mit Abteilungsleiter Bernd Potzel, Thomas Löffler (Jugendleiter gesamt), Initiator und E-Junioren-Trainer Alexander Krappmann, Verena Hatzel (Betriebswirtschaft), Christian Ehnes-Hatzel und Volker Ernst (Herrenspielbetrieb) setzten sich zusammen und überlegten, was nötig ist, und wie es zu schaffen sein könnte, trotz klammer Kassen das Sportgelände zu sanieren. „Wir sind uns im Klaren, das können wir nur mit Idealismus und Mithilfe aus der Bevölkerung auf die Beine stellen“, sagt Bernd Potzel, Abteilungsleiter des TSV. Und die TSVler sind überzeugt: Die Menschen in und um Bad Staffelstein wissen, was der TSV ihren Kindern und Jugendlichen bietet und wollen dieses ehrenamtliche Engagement unterstützen.

Ein Pilotprojekt

„Wir haben 14 Mannschaften im Spielbetrieb, die beiden Trainingsplätze sind total überbeansprucht“, erläutert Potzel. Denn: Der TSV ist der einzige Verein der Umgebung, der noch alle Altersklassen im Jugendbereich von A bis G eigenständig besetzt hat. Montag bis Freitag ist Training, am Wochenende Spielbetrieb. Ideal wäre ein Kunstrasenplatz, der ganzjährig bespielbar ist. Es ist sehr gesundheitsförderlich, auch im Winter 'rauszukommen. Bisher haben nur Coburg, Hallstadt und Bamberg solche Plätze. Im Landkreis Lichtenfels wäre dies ein Pilotprojekt. Ein Kunstrasenplatz würde die Auslastung problemlos aushalten. Und auf einen Zeitraum von 15 Jahren gerechnet, käme er im Unterhalt günstiger als Naturrasen. Das Dilemma: Die erste Investition liegt höher als eine Sanierung des vorhandenen Platzes.

„Bad Staffelstein muss bei der demografischen Entwicklung aufpassen, dass die Jugend nicht ins Hintertreffen gerät“, sagt Alexander Krappmann. Er appelliert: „Die Gesellschaft, also wir alle, müssen schauen, dass eine gute Betreuung im Sportbereich gewährleistet ist.“ In der Schule würden Sportstunden gekürzt, zuhause verbrächten die Kinder viel Zeit ohne Bewegung vor dem Computer. Hier im TSV böten engagierte Menschen Unterstützung an und würden flankierend die Defizite mit auffangen, die Kinder motivieren und fördern. Doch dazu brauchen sie Hilfe. „Jugend ist die Zukunft, deshalb lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft investieren!“, appelliert Krappmann.

„Jugend ist die Zukunft, deshalb lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft investieren!“

Alexander Krappmann,

Betreuer E-Junioren

Potzel ist überzeugt: „Das Potenzial an Kindern ist da.“ Es gehöre gefördert und begleitet, aber das sei nur möglich mit optisch und sicherheitstechnisch aktuellem Standards genügenden Spielstätten. Dann können die Fußballerinnen und Fußballer ihrer sportlichen Leidenschaft ohne platzbedingte Verletzungsgefahr nachgehen.

Sozialkompetenz und Fairness üben

Es ist schon eine große Herausforderung, jährlich 25 bis 30 ehrenamtliche Trainer und Betreuer für die rund 200 jugendlichen Fußballer des TSV zu akquirieren. Dabei hat der Teamsport eine wichtige Aufgabe. „Beim Fußball lernen die Jungs und Mädels neben dem Akzeptieren von Regeln, Fairness, Verlieren und Sozialkompetenz“, sagt Potzel. Er erinnert sich an seine Kindheit vor über 50 Jahren. Damals gab es nur den TSV Staffelstein. Sonst hätten die Kinder gar nichts gehabt. Er ist dankbar für alle Erfahrungen, vom Training bis zum Zeltlager. „Jetzt kann ich das zurückgeben, was ich damals bekommen habe. Und ich hoffe, dass sich viele anschließen.“

Projekt Oberauer Trainingsplatz

Ein grober Finanzierungsplan für die Sanierung der Außenanlagen am Oberauer Platz steht. Jetzt wollen die TSVler Spenden akquirieren. Sie haben das Gelände aufgeteilt in einzelne Parzellen, die sie symbolisch verkaufen wollen. Mit einer Spende von 50 Euro kann jeder, der sich mitverantwortlich fühlt für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, symbolisch einen Anteil erwerben, ob Einzelpersonen, Gruppen, Vereine oder Stammtische. Auch mehrere Anteile zu erwerben ist möglich. Die Spenden sind zweckgebunden für dieses Projekt. Die Spende kann steuerlich geltend gemacht werden. Die Namen der Spender werden veröffentlicht in einer Spenderliste auf der Webseite und auf einer großen Tafel auf dem Sportgelände. Weitere Informationen gibt gerne jeder Verantwortliche des TSV Staffelstein.