publiziert: 26.11.2014 16:14 Uhr
aktualisiert: 26.11.2014 16:15 Uhr
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Wer vertritt Interessen der Pfleger?

Gewerkschaft für das Gesundheitswesen in Bayern tagt in der Badstadt
  • Die Prominenz: Die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner mit Ewald Fischer (links) aus Regensburg und dem Landesvorsitzenden Hermann Schilling aus Lauf bei Zapfendorf. 
    Foto: Heinz Voll
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In der vergangenen Woche tagte in der Hotelgaststätte Rödiger in Bad Staffelstein der Hauptausschuss der LBB – Gewerkschaft für das Gesundheitswesen in Bayern. Hermann Schilling, der Landesvorsitzende der LBB, begrüßte zu der zweitägigen Veranstaltung alle Ortsgruppen-Vorsitzenden, die sich mit einer umfangreichen Tagesordnung befassten, sowie die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU).

Pflegekammer

Das Thema am ersten Tag war vor allem die „Verkammerung der Pflege“. Seit Anfang der 80er-Jahre wird über Berufskammern in den Gesundheitsfachberufen nachgedacht. Vorreiter war hier die Gesundheits- und Krankenpflege, die als erster Berufszweig diese Überlegungen anstellte. Bisher gibt es für die Gesundheitsfachberufe keine einheitliche professionelle oder hauptamtliche Vertretung, um die Interessen der Berufsangehörigen darzustellen und durchzusetzen. Dass es bisher dennoch zu keiner „Verkammerung“ gekommen ist, verdeutlicht wiederum die politische Brisanz dieses Themas und die Schwierigkeit der Umsetzung.

Zusätzliche Bürokratie?

Zu diesem Sachverhalt hatte Hermann Schilling, Emmi Zeulner (MdB), eingeladen. Die ehemalige Korbstadtkönigin der Korbstadt Lichtenfels kommt vom Fach, denn sie machte erst eine Ausbildung zur Krankenschwester, bevor sie an der Universität in Bamberg Volkswirtschaftslehre studierte (Studienfach European Economic Studies). Im Januar 2013 wurde die Lichtenfelser Stadt- und Kreisrätin von der CSU für den Bundestagswahlkreis Kulmbach nominiert. Sie ist Ordentliches Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und im Verteidigungsausschuss.

Die Bundestagsabgeordnete stellte sich den Pflegern und Pflegerinnen zum Gedankenaustausch und gab bereitwillig Auskunft. Die Pflegekammer betreffend, sagte Zeulner, es stelle sich die Frage: „Wie wirkungsvoll kann die Berufs- und Interessenvertretung der Pflege durch eine Kammerstruktur sein oder wird dadurch nur erreicht, dass zusätzliche Bürokratie auf die Pflegenden zukommt?“

Ein Pfleger aus Erlangen vom Klinikum Europakanal regte sich auf: „Die Pflegekammer bringt uns nichts und sie kann auch die Probleme im Pflegebereich nicht lösen. Die Fachkräfte, die am Bett arbeiten, sind überlastet, sodass sie vom Bett weg wollen. Die theoretischen Strukturen stehen im Vordergrund, das ganze Pflegesystem gehört entbürokratisiert, denn jeder Handgriff muss dokumentiert werden, das schreckt ab und die Arbeitskräfte gehen lieber in die Industrie, die zahlt zurzeit mehr, wobei aber festzustellen ist, dass Pflegekräfte eine immense Verantwortung haben.“

„Momentan haben die

Pflegeschulen keine Schüler mehr, die geburtenschwachen Jahrgänge drücken durch.“

Landesvorsitzender

Hermann Schilling

Dazu sagte der Landesvorsitzende Hermann Schilling: „Um die 90er-Jahre konnten wir Pflegekräfte mit einem Lasso einfangen, die haben dann als Pflegehelfer gearbeitet. Heute sorgt man sich, dass zu wenige examinierte Pflegekräfte vorhanden sind. Momentan haben die Pflegeschulen keine Schüler mehr, die geburtenschwachen Jahrgänge drücken durch.“

Emmi Zeulner meinte dazu: Die Entbürokratisierung sei schwer umzusetzen, denn das System müsse eine gewisse Rechtssicherheit für den Pflegenden garantieren. Das Umdrehen der Dokumentation, es werden also nur Auffälligkeiten des Patienten dokumentiert, und nicht das „Normale“, sei ein Ansatz, an dem auf Bundesebene gearbeitet werde.

Nur Geld verdienen

Pfleger Heiko aus Mittelfranken sagte erbost: „Die ganzen privaten Pflegedienste wollen nur Geld verdienen und die Missstände in den Krankenhäusern müssen ausgemerzt werden. Wenn bei einigen Patienten mehr geleistet wird, nimmt man den anderen wieder etwas weg“. Pfleger Wimmer aus der Oberpfalz ist der Meinung, dass in den Gremien Leute sitzen, die überhaupt keine Ahnung vom Fach haben und dann Entscheidungen treffen, von denen sie nichts verstehen.

Pfleger Ewald aus Niederbayern ist der Meinung, dass die Gelder falsch verteilt werden. „Wir müssen schauen, dass die Patienten mehr Pflegekräfte ans Bett bekommen und dass diese auch besser bezahlt werden. Da muss der Hebel angesetzt werden. Fazit: Es müssen mehr Pflegekräfte ans Bett.“

Die Bundestagsabgeordnete meinte abschließend, dass sich die Bund-Länder Arbeitsgruppe Krankenhaus damit auseinandersetzt, wie es gelingen kann, mehr Geld für das Pflegepersonal in Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen. „Die große Herausforderung ist dabei, einen Hebel zu finden, der dafür sorgt, dass das Geld dann tatsächlich bei den Pflegenden ankommt. Hier haben vor allem Bundesländer, die eine geringe Investitionsquote aufweisen, ein Problem. Bayern hat ein solches Problem nicht, da wir ausreichend in unsere Krankenhäuser investieren“, meinte Emmi Zeulner zuversichtlich und regte ein erneutes Treffen an.

    
    

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