WEISMAIN

Ein Hauch von Rocky-Horror-Show

Stimmgewaltig und farbenfroh: Die Blumenmänner mit ihrem Auftritt „Piep piep piep. wir haben Blumen lieb“.Roland Dietz Foto: Fotos:

Zum Lachen gehen die Weismainer in den Keller, genauer gesagt in den Rathauskeller. Hoch schlugen die Stimmungswogen beim „Kaulhaaz'n-Fieber“ am Samstagabend. Ein tolles Programm mit viel Witz und Gags und Musik hatten heimische Akteure wieder auf die Beine gestellt, wie sich Moderator Frank Eitzenberger freute, der die vier Stunden lange Show moderierte.

Und die Besucher wurden nicht enttäuscht. So wechselten sich Klamauk, Witze und Sketche mit großartigen Tanzeinlagen ab. Gleich beim Einmarsch der närrischen Weiber um Irmgard Denzler als Schlafmützen stieg die Stimmung. Und weil „Oberschlafmütze Prinz Udo“ mal wieder nicht zu finden war, sangen sie ihm sein „Schlafmützenlied“: „Schlaf doch Prinz Udo nicht ein, denk doch einmal an Weismain. Wenn die Christl mit ihr'n Louden nicht wär, wärn alle schon Vegetarier. Muss die Umgehung denn sein, dann findet doch keiner mehr rein“. Mit Schwung und Anmut begeisterten Anne Bräutigam, Nele Stark und Jessica Klinger von der Tanzgruppe des Turnvereins.

„Steht der Bauer auf dem Mist, im Haus die Klobrille trocken ist.“
Wolfgang Baumann, (der „Nölle“) als Roboter

Ein Faschingsurgestein ist der „Baaschdoffer“ (Edwin Jungkunz). Er machte auf die Kalorienfallen an den Feiertagen aufmerksam: „Ich hoff ihr hobt scho Brotzeit gemacht, denn wenn ich fertig bin, schmeckts euch nümmer“. Die Gewichtszunahme bei Frauen bezeichnete er als „Vergrößerung der erotischen Nutzfläche“. Warum es schon wieder Buchstabensuppe gebe, fragte Anne beim Mittagessen ihre Mutter. „Damit du was G'scheides lernst“, war die Antwort. Auf die Frage der Tochter, ob Pferd mit P oder mit F geschrieben wird, riet die Mutter: „Schreib doch einfach Gaul“.

Für Lachsalven sorgte auch der „Nölla“ Wolfgang Baumann als menschlicher Roboter. „Mit Püls-Bier sind meine Bewegungen flüssiger geworden und meinen IQ habe ich von 1000 Bitburgern“, erklärte er dem erfreuten Publikum. Sein markantestes Merkmal sei jedoch eine Lüsterklemme statt eines Bauchnabels. Und als Bauernroboter sorgte er für gute Umgangsformen („Steht der Bauer auf dem Mist, im Haus die Klobrille trocken ist“). Eine frustrierte Hausfrau gab Irmgard Denzler: „Du denkst ja net gleich droon, dass wenn du an kennanlernst, dass du na irgendwann die Wäsch waschen tust“. Die Bezeichnung Hausfrau sei völlig falsch, denn „an Grundbesitzer gehört sei Grundstück, aner Hausfrau gehört net des Haus“.

Die Lacher auf seiner Seite hatte auch Franz Besold als „Till in der Bütt“, der Auszüge aus seine Faschingsbüttenrede vorab präsentierte. Eine feste Institution beim „Kaulhaaz'n-Fieber“ sind die „Schönsten der Stadt“ Irene Holhut und Birgit Bräutigam, die mit einem Zwiegespräch begeisterten. So könnten sie sich um eine Stelle in der Gemüsezuchtanlage in Feulersdorf bewerben: „Wenn du do nackerd durchlaffst, wern die Tomaten schnell röter und die Salatgurken länger“. Enttäuschend sei auch der Film „1000 neue Stellungen“ gewesen, der sich leider als Werbeinfo der Arbeitsagentur entpuppte. Das Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Weismain will das Duo boykottieren, weil sie auf die Bewerbung als Ehrendamen, die Antwort bekamen, „für dich bräuchte mer den vierfachen Kleiderstoff und bei dir wär eine Anstellung bei der neu eröffneten Geisterbahn in Geiselwind besser.

Der Till im Mieder

Die Hürden einer Essensbestellung an einem Drive-In bei Mc King brachten den „Baaschdoffer“ (Edwin Jungkunz) zum Verzweifeln. Immer wieder machte dem Hungrigen die Stimme hinter der Sprechanlage (Katja Jungkunz) klar, dass er weder in Weismain bei der Burgl noch beim Jahn zum Essen war. „Piep, Piep, Piep, wir haben Blumen lieb. Ich bin ein Blumenmann, die machen mich richtig an“, sangen die naiv-verträumten Blumenmänner (Weismainer Feuerwehr) zur Freude des Publikums. In einem sehr aufreizenden Kleid erschien Franz Besold als „Mathilde“ auf der Bühne. „Ist des a Mo odder a Fraa?“, fragte ein Zuschauer. „Eine Frau bin ich erst seit zehn Minuten wieder, ich trag jetzt hohe Schuhe, Straps und Mieder“, erklärte Mathilde und schilderte das reizlose Eheleben.

Ein Höhepunkt war die „Rocky Horror Picture Show“ mit einer großartigen Tanzeinlage von Jürgen Dietz als Dr. Frank N. Furter in Mieder, Strapsen und hochhackigen Schuhen. Wie in dem Kultfilm bot er mit Hausmädchen Magenta und weiteren schrägen Gestalten eine Illusionsshow vom Feinsten. Mit einer Polonaise aller Mitwirkenden endete die vierstündige Show. Das begeisterte Publikum feierte noch bis spät in die Nacht.

Zeigt her, das Bein: „Rocky Horror Picture Show“ mit Jürgen Dietz als Dr. Frank N. Furter. Foto: Roland Dietz
Intelligente Buchstabensuppe verspeisten Birgit und Anne Bräutigamm als Mutter und Tochter beim „Kaulhaazn-Fieber“ Foto: Roland Dietz
Der menschliche Roboter Wolfgang Baumann demonstrierte, dass Püls-Bier seine Bewegungen flüssiger macht. Foto: Roland Dietz