WEISMAIN

Gaudi, Gags und Kalauer

Auch ein Meister der Parodie: „Das Eich“ alias Stefan Eichner. FOTO: Roland Dietz Foto: Roland Dietz

„Ich zieh den Blödsinn förmlich an“, erklärt Stefan Eichner seinem Publikum im Ratskeller. Ob man den 42-Jährigen aus Kulmbach mit dem Künstlernamen „Das Eich“ nun als Kabarettisten, Komiker oder nur als „entspannten Franken“ sehen mag, wird bei seinem 150 Minuten langen Programm zur Nebensache, denn richtig ist eigentlich alles. Besonders die Vielfalt ist es, die anspricht. Gaudi, Gags und Kalauer gibt es im Minutentakt.

Sicherlich wären ein paar Besucher mehr den „Weismainer Festspielen“ zuträglich gewesen. Aber die, die bei diesem „Heimspiel“, wie er es bezeichnete, dabei waren, brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen.

„Ein entspannter Franke“ ist keine Marketingstrategie und auch kein Werbegag. „Alle sind leider unter Druck, selbst zuhause und in der Freizeit. Im Oktober machen die Nachbarn alle Tage Laub. Ich mache Laub, wenn die Bäume nackt sind. Ich mach' des auf einen Rutsch. Bei der fränkischen Volkssportart ,Franken kehrt‘ bin ich nicht dabei“, veranschaulicht „Das Eich“, was ein „entspannter Franke“ ist.

Stiller Genießer und Zwerchfellhopser

Der Franke hat auch Probleme, seine Gefühle richtig zu zeigen, dies muss er leider immer wieder bei seinen Auftritten feststellen. So gibt es bei den Besuchern den stillen Genießer. Er sitzt in der ersten Reihe und bewegt sich überhaupt nicht. Die nächste Stufe ist der „Zwerchfellhopser“, der plötzliche, kurze Zuckungen nach einem Witz erleidet. Die Steigerung ist der in der hinteren Reihe, der zu lachen anfängt, wenn die anderen schon fertig sind, und der seinen Nachbarn fragt, ob er den Gag auch verstanden hat. Die Zurückhaltung des Franken zeigt sich auch darin, wie er sein Urteil formuliert. Wenn etwas nicht so gelungen ist, sagt er: „Wädd scho widdä“. Hohem Lob entspricht dagegen „Passt scho“ oder „Do kommä nix soung“.

Im Sommer geht der „entspannte Franke“ zum „Baggaweiher“ (Naherholungsgebiet). Im Gespräch am Nebenplatz kommt Franken wieder richtig durch. „Mama, ich geh' nicht mehr in die Schule, die ärgern mich doch nur.“ – „Kein Problem“, sagt die Frauenstimme. „Dann gibst Ihnena halt schlechtera Noten. “ Auch im persönlichen Bereich stellt sich das Leben oft paradox dar, findet der Künstler: „Als neulich meine Freundin Margit Tinnitus hatte und bei der Selbsthilfegruppe anrief, meldete sich eine Stimme und sagte: ,Sprechen Sie erst nach dem Pfeifton‘.“

Auch in der großen weiten Welt hat „Das Eich“ den Durchblick, ob das nun auf einer Konzertreise mit der Aida ist oder im Urlaub auf Spiekeroog. Dort fragte ein Gast, von welchem Fisch die Spareribs sind, und bekam zur Antwort vom Ober: „Natürlich vom Schweinswal.“

„Seid wie Astrid Lindgren: frech, wild und wunderbar.“
Stefan Eichner, Comedian

Aber auch als Meister der Parodie entpuppt sich Stefan Eichner an diesem Abend. In einem Medley für das Ableben des „Eichs“ musizieren Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Helene Fischer: „Leichenschmaus, des hältst im Kopf net aus.“ Mimik und Grimassen erheitern das Publikum extra, das auch derbe Ausdrücke nicht zu ernst nimmt. Manch' männlicher Gast erkennt sich wieder beim Wirtshausbesuch am Nachmittag, der mit dem Nach-Hause-Kommen um 5.30 Uhr ohne Hosen endet.

Der „entspannte Franke“ hat trotzdem noch viele nicht geklärte Probleme. Warum muss ein Sarg verriegelt werden, warum muss die Todesspritze steril sein, warum läuft die Nase, und die Füße riechen? Wer eine Buchstabensuppe isst und sich übergeben muss, der hat dann gebrochenes Deutsch. Den Besuchern gefiel diese Art von Humor. „Seid wie Astrid Lindgren: frech, wild und wunderbar. Das Alter spielt keine Rolle, sondern, wie man drauf ist“, gab er einem begeisterten Publikum mit auf den Nachhauseweg.