BURGKUNSTADT

Magische Momente mit Chopin

Auch bei ihrem jüngsten Konzert begeisterte Claire Huangci ihr Publikum in der Alten Vogtei mit schnellen Fingern und beeindruckenden Interpretationen.FOTO: Gerda Völk Foto: Gerda Völk

Die zwölfte Saison der Kultursonntage in der Alten Vogtei verspricht ein Wiedersehen mit Künstlern, die in der Gunst des heimischen Publikums ganz oben stehen. Den Anfang machte die in New York geborene Pianistin Claire Huangci. Die Pianistin mit chinesischer Abstammung gilt trotz ihrer Jugend längst als Weltstar, der in den größten Konzertsälen Amerikas und Europas auftritt. Ihre beiden vorangegangenen Konzerte, die jeweils im Abstand von zwei Jahren stattfanden, waren Sternstunden in der Geschichte der Vogtei. Auch bei ihrem jüngsten Wiedersehen, verzauberte die Pianistin ihr Publikum mit magischen Momenten.

Beethovens Klaviersonate op. 27, zwei Nocturnes von Frederic Chopin und Alexander Skrjabins Klaviersonate Nr. 2 in gis-Moll op. 19 standen auf dem Programm der ersten Hälfte des Klavierabends.

Solistische Glanzleistung

Auch dieses Mal überrascht Claire Huangci durch ihr ausgesprochen bescheiden wirkendes Auftreten. Eine angedeutete Verbeugung und schon sitzt die 27-Jährige am vogteieigenen Bösendorfer Flügel. Eine zierliche Person, die mit eleganten, weit ausholenden Bewegungen die ganze Breite einer Flügel-Tastatur zu meistern versteht. Claire Huangcis Finger gleiten mit einem unglaublichen Tempo über die Tastatur hinweg. Sie loten das komplette Klangspektrum des Flügels und der Kompositionen aus. Eine solistische Glanzleistung, die ihr viel Applaus beschert.

Beethovens Klaviersonate op. 27 ist auch unter dem Begriff „Mondscheinsonate“ bekannt – der Originaltitel lautet „Quasi una fantasia“. Im zweiten Satz „Allegretto“ scheinen die Finger der Pianistin nur so über die Klaviertasten zu fliegen. Manch einer im Publikum ist angesichts der Fingerfertigkeit und des Tempos bei höchster Präzision des Anschlags sehr erstaunt. Wieder andere schließen die Augen und geben sich so dem Kunstgenuss hin.

Claire Huangci hat sich auch als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin einen Namen gemacht. So widmet sich ihre im Mai veröffentlichte CD Chopins Nocturnes in ihrer Gesamtheit. Auch bei ihrem Konzert in Burgkunstadt interpretierte die Pianistin zwei Nocturnes und ein Fantasie-Thema. Auch hier brilliert Claire Huangci technisch makellos in den rasanten Passagen. Phänomenal, was die Pianistin aus diesen Stücken herausholt. Eine relativ lange Entstehungsgeschichte wird Alexander Skrjabins Klaviersonate Nr. 2 nachgesagt. Der Komponist hatte das Werk erst 1897 beendet und sich dabei von Meeresstimmungen inspirieren lassen. Viel Applaus am Ende des ersten Teils und vereinzelte Bravo-Rufe.

Rasantes Tempo und höchste Präzision

Auch der zweite Teil des Klavierabends gehört Frederic Chopin. Der Komponist hatte das „Andante spianato et Grande polonaise brillante“ op. 22 als 17-Jähriger geschrieben. Auch hier beweist Claire Huangci ihre Virtuosität am Klavier. Im Gegensatz zur funkelnden und sprühenden Interpretation dieses Frühwerks steht die „Polonaise-Fantaisie“ A-Dur op. 61. Sie ist Chopins letzte große Klavierkomposition und erinnert an Wagner. Geprägt voll Melancholie und Trauer.

Am Ende des knapp zweistündigen Konzertes spendet das Publikum begeisterten Applaus und erhält dafür insgesamt drei Zugaben. Das Konzert war mehr als ein gelungener Einstieg in die neue Saison.