BURGKUNSTADT

Kontroverse um Woolworth-Markt

Gut sichtbar und erweiterbar: In der Septembersitzung beschloss der Stadtrat bereits das Errichten einer Tankstelle für Elektroautos und befürwortete den Standort hinter dem Schustermuseum. Nun allerdings soll die E-Säule am hinteren Bereich des Raiffeisen-Parkplatzes stehen. FOT... Foto: Grafik: Stadt Burgkunstadt

Öffentlich oder nichtöffentlich – das war zunächst die Frage in der Stadtratssitzung am Dienstagabend. Auf der Tagesordnung standen die Erweiterung des Feuerwehrhauses Hainweiher um einen Schulungsraum und sanitäre Anlagen, die Vorstellung der Planung des Projekts sowie die Auftragsvergabe an ein Architekturbüro. Zum Unmut der zahlreich anwesenden Feuerwehrleute beschlossen die Räte (bei neun Gegenstimmen aus allen Fraktionen), das Thema hinter verschlossenen Türen zu behandeln.

Begründung: Finanzielle Belange müssten zunächst ordentlich besprochen werden, es gehe um Personen, man wolle niemandem zu nahe treten. Zwei Vertreter der Feuerwehr wurden allerdings eingeladen, in der nichtöffentlichen Sitzung ihre Anliegen vorzutragen.

Die Bedürfnisse der Investoren des geplanten Einkaufszentrums „Seewiese“ haben sich geändert. Statt eines Schuhmarktes soll dort nun ein Woolworth-Markt angesiedelt werden. Dafür ist die vierte Änderung des Bebauungsplans „Seewiese“ erforderlich.

„Es geht schließlich auch darum, Steuern einzunehmen, die wiederum in Investitionen wie ein Lehrschwimmbecken fließen können.“
Bürgermeisterin Christine Frieß zum Bebauungsplan „Seewiese“

„Ich halte das ganze für einen Zirkus“, meinte Thomas Müller (Bürgerverein). Der Bebauungsplan könne nicht jedes Mal geändert werden, wenn der Projektant das Sortiment wechsele. Zudem sehe er in der Nutzungsänderung sowie generell in der Ansiedlung eines „Billigmarktes“ eine Gefährdung des Einzelhandels in der Innenstadt.

„Wer auf Qualität setzt, kauft weiterhin bei den Fachgeschäften ein“, meinte Katrin Weißmann (CSU). „Das Konsumverhalten lässt sich durch Reglementierung nicht ändern. Zudem gibt es bereits Überschneidungen im Angebot, und die Geschäfte in der Innenstadt existieren noch“, fügte Wolfgang Sievert (SPD) hinzu. „Wir wollen unsere Stadt attraktiver machen“, sagte Günter Knorr (CSU). „Außerdem betreiben wir hier keine Planwirtschaft, wir können nicht vorschreiben, was Woolworth anbietet“, ergänzte Marco Hennemann (CSU). Letztlich sei das Kleinkaufhaus ein beständiger Markt, der nicht gleich wieder abzuwandern drohe. „Es geht schließlich auch darum, Steuern einzunehmen, die wiederum in Investitionen wie ein Lehrschwimmbecken fließen können“, erklärte Erste Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU). Bei vier Gegenstimmen (alle Bürgerverein) beschloss das Gremium die Änderung des Bebauungsplans. Fällt ein in diesem Zusammenhang noch ausstehendes Standortgutachten negativ aus, wird das Verfahren allerdings sofort gestoppt.

Standort für E-Ladesäule gefunden

Wohin mit der E-Ladesäule? In der Septembersitzung beschlossen die Räte auf Antrag der SPD-Fraktion das Errichten einer „Tankstelle für Elektroautos“ und befürworteten den Standort hinter dem Schustermuseum. „Dort steht die E-Säule nicht optimal“, hieß es aus dem Haupt- und Finanzausschuss. Die Verwaltung schlug als alternativen Standort den hinteren Bereich des Raiffeisen-Parkplatzes vor, am Grünstreifen zur Bundesstraße – und erhielt einstimmige Zustimmung. „Dort ist die Landestation gut sichtbar und erweiterbar“, hieß es aus allen Fraktionen. Einstimmig befürwortete das Gremium den Jahresabschluss des katholischen Kindergartens St. Theresia für das Geschäftsjahr 2016/2017 und billigte den Haushaltsplan für 2017/2018. Jutta Fleischmann, Verwaltungsleiterin des Heilpädagogischen Zentrums der Caritas Lichtenfels, die Betreiberin der Einrichtung ist, erläuterte die Zahlen. Sie berichtete von gestiegenen Einnahmen und positiven Entwicklungen: „Wir hatten im vergangenen Jahr mit 14 600 Euro im Plus geplant und steigen mit 35 100 Euro im Plus aus. Im laufenden Kindergartenjahr planen wir mit einem Plus von 31 100 Euro.“

Im Stadtrat kurz notiert

Nachruf: Mit einer Schweigeminute gedachten die Räte Anna-Maria Hoffmann, die von 2002 bis 2014 die CSU im Stadtrat vertrat. „Sie hat sich vielfältig für ihre Mitbürger eingesetzt und sich um das Wohl der Stadt verdient gemacht. 2014 wurde ihr deshalb das Goldene Siegel der Stadt verliehen“, erinnerte Bürgermeisterin Christine Frieß.

Kostenbeteiligung: Die Teilnehmergemeinschaft Kirchlein beteiligt sich am Bau der Außentreppe am Feuerwehrhaus mit höchstens 55 Prozent (Gesamtkosten 24 216 Euro). Der Stadtrat stimmte der Vereinbarung einstimmig zu.

Kosten gespart: Die Räte nahmen die Kosteneinsparung in der Schlussrechnung des Ausbaus des „Kesselweg“ zur Kenntnis. „Wir sind einige Zehntausend Euro unter der Kostenrechnung geblieben“, erklärte Geschäftsleiter Sven Dietel.

Gefahr durch herabstürzende Äste: Eine Anwohnerin habe bereits auf das Gefahrenpotenzial der Bäume in der Alten Reichsstraße in Weidnitz hingewiesen, Dietmar Schmiedel (SPD) griff das Thema auf. „Ich habe vor einiger Zeit schon für eine Fällung gestimmt“, erklärte er. „Wir werden Kontakt mit der Frau aufnehmen, die Situation prüfen“, versicherte Bürgermeisterin Christine Frieß.

Geschwindigkeitsmesser: „In Ebneth steht der Geschwindigkeitsmesser seit August, wann kommt er nach Gärtenroth?“, wollte Ortssprecher Edwin Bauersachs wissen. Auch hier versicherte die Bürgermeisterin, dass sich gekümmert werde. „Ich werde aufpassen, dass der Messer genauso lange in Gärtenroth steht, wie in Ebneth, ehe er nach Mainroth kommt“, meinte Bauersachs.

Nach der Wahl ist vor der Wahl?: Vereinzelt finden sich immer noch Wahlplakate der Bundestagswahl im Stadtgebiet. „Sollen die bis zur nächsten Wahl hängen bleiben?“, scherzte Michael Doppel (FWG). „Mitarbeiter des Bauhofs sind bereits mit der Entfernung beauftragt“, versicherte Christine Frieß.

Falsches Pflaster: Als „schief und krumm und farblich unpassend“ bemängelte Joachim Ruß (CSU) das neue Pflaster am Marktplatz Richtung Kronacher Tor. „Da wird bereits Abhilfe geschafft“, erklärte Geschäftsleiter Sven Dietel.

Die Fachfirma habe das Plattenpflaster zu hoch gesetzt, außerdem falsche Farben eingearbeitet – jetzt reißen Mitarbeiter der Firma das gerade verlegte Pflaster wieder auf.