publiziert: 20.03.2017 17:30 Uhr
aktualisiert: 28.03.2017 03:33 Uhr
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Mit 65 Halbschwester kennengelernt

Margit Gückel stößt bei Suche nach leiblichen Vater auf unerwartete Verwandtschaft
  • Margit Gückel aus Woffendorf (re.) heißt ihre Halbschwester Doris Lindenberg aus Flensburg willkommen, die sie nach einer langwierigen Suche gefunden hat. 
    Stephan Stöckel
  • Das Blumenherz gehört zwar zu einem Hochzeitsauto, doch es passt zu dem Familientreffen. Margit Gückel (2. v. re.) hat ihre Halbschwester Doris Lindenberg gefunden. Darüber freuen sich ihr Mann Peter Gückel (li.), Bürgermeister Robert Hümmer (Mitte) und Rainer Lindenberg.FOTOs: Stephan stöckel 
    Stephan stöckel
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Das Leben geht oft seltsame Wege. Davon wissen Margit Gückel aus dem Altenkunstadter Ortsteil Woffendorf und Doris Lindenberg aus Flensburg ein Lied zu singen. Die beiden Frauen, die sich am Frühstückstisch in die Augen blicken, kannten sich bis vor einem Jahr überhaupt nicht. „Im ersten Moment war es schon merkwürdig, am anderen Ende der Telefonleitung eine Halbschwester zu haben, von der ich nichts wusste“, beschreibt die 61-Jährige aus Schleswig-Holstein ihre damalige Gefühlslage. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal im reifen Alter noch eine Schwester kennenlerne“, kann sie ihr Glück noch immer nicht fassen. Auch bei Margit (65), hatten die Gefühle Purzelbäume geschlagen: „Ich war ganz platt gewesen, als mir Doris offenbarte, dass es insgesamt sieben Halbgeschwister sind.“

„Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal im reifen Alter noch eine Schwester kennenlerne.“
Doris Lindenberg

Dass die Familiengeschichte so verworren ist, liegt am Vater Horst Hubert Müller. Er war dreimal verheiratet, davon zweimal mit der gleichen Frau. Margit Gückel wurde 1951 unehelich im sächsischen Obergräfen geboren. Ihren leiblichen Vater Horst Hubert Müller hatte sie nie kennengelernt. Dieser war 1951 nach Detmold gezogen, wo ein paar Jahre später Doris Lindenberg das Licht der Welt erblicken sollte. Margit hingegen zog es mit ihrer Mutter Ursula Förster ebenfalls in den Westen.

Dass es zu dem Kennenlern-Frühstück kam, haben die beiden Frauen, die 700 Kilometer entfernt wohnen, jener Ursula Förster zu verdanken. „Kurz vor ihrem Tode im Jahre 2009 hatte mir meine Mutter ein Kuvert mit Unterlagen meines Vaters übergeben“, erzählt Gückel. Darin befand sich auch ein amtliches Schreiben, in dem beglaubigt wird, dass ihr Vater in Detmold verheiratet sei und zwei Kinder habe. Es brachte den Stein ins Rollen, in dem es bei der Woffendorferin einen Suchinstinkt auslöste. „2014 entschloss ich mich, nach meinem Vater zu suchen.“

Zu einem Wiedersehen sollte es nicht mehr kommen. Das Standesamt in Aue, wo ihr Vater zuletzt gewohnt hatte, teilte ihr mit, dass dieser bereits am 8. Januar 2014 verstorben sei. „Ich war ein dreiviertel Jahr zu spät dran“, klingt es betrübt aus dem Munde von Margit Gückel. Sie fuhr nach Aue, wo sie auf dem Friedhof das Grab ihres Vaters entdeckte. Mit der Hoffnung, eine Nachricht zu erhalten, steckte sie eine Visitenkarte in einen Blumentopf – doch vergeblich: Es meldete sich niemand.

Davon unterkriegen ließ sich die heute 65-Jährige nicht. Im vergangenen Jahr wandte sie sich erneut an das Standesamt in Aue, wo sie ein weiteres Mal eine niederschmetternde Antwort erhielt: „Mir wurde mitgeteilt, dass mein Vater laut einer Stieftochter angeblich keine Kinder gehabt hätte.“

„Jetzt erst recht!“, sagte sich die Woffendorferin. Über das Standesamt in Detmold und das Einwohnermeldeamt in Flensburg gelangte sie schließlich an die Adresse ihre Halbschwester Doris Lindenberg.

Im Urlaub überrascht

Diese hatte gerade mit ihrem Mann Rainer Urlaub in den Niederlanden gemacht, als sie von Margit Gückel mit einem Telefonanruf überrascht wurde. Im Land der Grachten und Tulpen wohnen zwei weitere Halbschwestern. Heike Neubauer (46) lebt in der Nähe von Rotterdam, Anne Müller (55) fühlt sich in Bergen op Zoon wohl. Halbbruder Udo Müller (59) wohnt in Offenbach. Drei Halbgeschwister leben schon nicht mehr. „Unser ältester Bruder Dietmar ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Hubertus starb bei der Geburt und Monika als Baby nach einem Dreivierteljahr“, erzählt Doris Lindenberg.

Seit der Trennung ihrer Eltern hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. „Ich war schockiert, als ich von Margit vom Tod meines Vaters erfuhr.“ Auch die beiden Schwestern, die das Telefonat hautnah mitverfolgt hätten, seien perplex gewesen, als sie von ihrer Halbschwester aus Oberfranken erfahren hätten.

Sofort sympathisch

Dieser Tage statteten Doris und ihr Mann Rainer der neuen Verwandtschaft aus dem oberen Maintal einen Besuch ab. Beim gemeinsamen Frühstück merkt man, dass sich die zwei Frauen sympathisch sind. „Ich finde, wir sind uns auch optisch ähnlich“, meint Doris. Auch ihre Ehegatten Rainer und Peter verstehen sich prächtig. Vor dem trauten Heim in Woffendorf, aber auch vor dem Altenkunstadter Rathaus werden eifrig Erinnerungsfotos geknipst.

Bürgermeister Robert Hümmer, der ebenfalls in Woffendorf wohnt, freut sich darüber, dass Margit Gückel ihre Halbschwester gefunden habe. Die Frauen wiederum schwärmen beim Gedanken an ein gemeinsames Familientreffen mit allen Halbgeschwistern von „einer tolle Sache.“

Von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel
    
    

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