ALTENKUNSTADT

Ohne Wörter keine Verständigung

Worte in reicher Auswahl hat Miriam Distelkamp als Markthändlerin im Angebot. Doch dann werden in der Theateraufführung ... Foto: Bernd Kleinert

In eine Markthalle verwandelte sich einen Vormittag lang die Grundschulturnhalle. Wo Kinder, Jugendliche und Erwachsene sonst etwas für ihre Fitness tun, hatte eine Markthändlerin ihren Stand aufgebaut. Nach Obst, Gemüse und frischen Eiern konnte man jedoch lange suchen. Stattdessen bot die Marktfrau Wörter an und das in reicher Auswahl. Die Aufführung des Theaterstücks „Die Händlerin der Worte und die gestohlenen Wörter“ wird Schülern und Lehrern der Altenkunstadter Grundschule noch lange in Erinnerung bleiben.

„Wenn man ins Theater geht, muss man Eintritt bezahlen. Ihr habt das große Glück, dass ihr heute ganz umsonst eine Vorstellung erleben dürft“, erzählt Rektorin Margarete Greich-Hewera den neugierig dreinblickenden Kindern. Die Schulleiterin dankte dem Kulturverein Altenkunstadt, der die Kosten übernommen und damit den Theatervormittag möglich gemacht habe. „Hauptsache, ihr habt Spaß“, schmunzelte Bürgermeister Robert Hümmer, der auch Vorsitzender des Kulturvereins ist. Er wies auf das gemeinsame Jugend-Sommerferien-Programm mit den Kommunen Burgkunstadt und Weismain hin: „Viele interessante Veranstaltungen warten auf euch. Wer also nicht verreist, sollte die Angebote unbedingt nutzen“.

Das Stück „Die Händlerin der Worte und die gestohlenen Wörter“ von Thomas Lange basiert auf dem 1999 in Frankreich uraufgeführten Werk „La marchande de mots“ von Claude Theil. Miriam Distelkamp präsentierte das Ein-Personen-Stück kurzweilig und kindgerecht. Mit fröhlichem Charme begeisterte sie ihr junges Publikum. Im rustikalen Outfit einer Marktfrau und mit einem Korb voller Buchstaben „entführt“ die 30-jährige Hamburgerin die Grundschüler in die Welt der Sprache. Die Akteurin möchte den Kindern Worte verkaufen. Und was hat sie im Sortiment? Auf unterhaltsame Weise macht Distelkamp ihre „Kunden“ mit den verschiedensten Begriffen vertraut: Kleine Worte, süße Worte, höfliche Worte, tröstende Worte, aber auch Schimpfworte und Worte, die verletzen. Die ausgebildete Musicaldarstellerin erzählt von der Kunst, mit Worten zu heilen, und sie macht den Kindern klar, dass man vor Fremdwörtern keine Angst haben muss.

Die Kunst mit Wörtern zu heilen

Entsetzt muss die Marktfrau feststellen, dass all die Worte verschwunden sind, die für ein harmonisches Zusammenleben von Menschen wichtig sind. Ein Dieb hat sie gestohlen! Die arme Frau ist traurig. Wie soll es jetzt weitergehen? Doch die Grundschüler, die sich nicht zuletzt dank ihrer tüchtigen Lehrer in der deutschen Sprache gut auskennen, trösten die Bestohlene nicht nur, sie helfen ihr auch. Mit herzlichem Applaus bedankte sich das Publikum bei Miriam Distelkamp für dieses faszinierende wie ungewöhnliche Theatererlebnis.