BURGKUNSTADT

Diskussion um Bonus trübt die Stimmung

In schwerem Fahrwasser: Nach dem Schock über die Kündigung von Fressnapf sorgt eine Diskussion um einen Erfolgsbonus für... Foto: Dieter Radziej

Alles hätte so schön sein können: Baur-Chef Albert Klein kündigt den Mitarbeitern eine Sonderzahlung von 100 Euro als Dank für ihren Beitrag zum guten Geschäftsergebnis an. Nachdem die Tochterfirma Baur Fulfillment Solutions (BFS) wegen der kurzfristigen Kündigung des Großkunden Fressnapf unter wirtschaftlichen Druck geraten ist, sollen die Baur-Mitarbeiter, die in der Kundenberatung bei BFS beschäftigt sind, diesen Bonus allerdings nicht erhalten. Jetzt fühlen sie sich als „Mitarbeiter zweiter Klasse“ und fürchten, dass weitere Sonderleistungen wie Weihnachts– und Urlaubsgeld demnächst der Schere zum Opfer fallen könnten.

„Sollten die BFS wieder positive Betriebsergebnisse

erwirtschaften, werden alle Mitarbeiter von einer

Sonderzahlung profitieren.“

Manfred Gawlas, Pressesprecher

„Für die Kollegen, die schon seit 15, 20, 25 Jahren und länger für die Firma Baur arbeiten, die sich noch mit ihrer Firma identifizieren und in schwierigen Zeiten auch auf vieles verzichtet haben, zum Beispiel drei Jahre lang Überstunden ohne Bezahlung geleistet haben, war das ein Schlag ins Gesicht“, schreibt ein Baur-Mitarbeiter auf dem Internet-Blog „Verdi bei Baur“. Er beklagt mangelnde „Wertschätzung“ bei BFS und eine einseitige Orientierung an der Produktivität: „Der Mensch ist ein Kostenfaktor unter Generalverdacht“. Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung seien unerwünscht und Ratschläge für Kollegen würden sofort als privates „Quatschen“ während der Arbeitszeit gerügt.

„Sonderzahlungen sind Direktionsrecht, da darf der Betriebsrat nicht mitreden“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Horst Bergmann. Er habe mit Baur-Chef Albert Klein über das Anliegen der Kollegen gesprochen, doch dieser habe ihm beschieden, dass es keine Ausnahme gebe. Betroffen seien 150 bis 180 Kollegen der früheren Baur-Kundenbetreuung, die vor einigen Jahren organisatorisch in die BFS (Bereich Kundendialog) integriert wurden, um alle Funktionen unter einem Dach zu bündeln. Für den Betriebsrat stehe es im Vordergrund darauf zu achten, dass diese Kollegen weiterhin nach dem ihnen wegen ihrer langjährigen Zugehörigkeit zum Baur Versand zustehenden Einzelhandelstarif bezahlt werden, der höher ist als der Logistik-Tarif, nach dem die rund 1000 BFS-Mitarbeiter bezahlt werden.

„Da die BFS im vergangenen Geschäftsjahr ihre wirtschaftlichen Ziele verfehlt hat, entfiel die wesentliche Grundlage für eine erfolgsabhängige Sonderzahlung“, sagt Baur-Sprecher Manfred Gawlas dazu. Daher habe die Geschäftsführung die Entscheidung getroffen, alle am BFS-Ergebnis beteiligten Mitarbeiter in der Logistik, der Verwaltung und im Kundendialog gleich zu behandeln und die freiwillige Sonderzahlung in diesem Jahr auszusetzen. „Wir erachten diese Vorgehensweise angesichts der aktuellen Situation als angemessen und auch fair“, sagt Gawlas mit Blick auf das schlechte Geschäftsergebnis. Gleichzeitig betont er die Zuversicht, dass „BFS bald wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zurückkehren“ werde. „Sollten die BFS wieder positive Betriebsergebnisse erwirtschaften, werden alle Mitarbeiter von einer Sonderzahlung profitieren – auch alle Mitarbeiter mit Baur-Verträgen.“